Rappen gegen Rassismus und Gewalt – Projekt «Schweizer Mundart Rap» präsentiert sich an der..
16. Juni 2008
Rappen gegen Rassismus und Gewalt – Projekt «Schweizer Mundart Rap» präsentiert sich an der WORLDDIDAC Basel 2008
Die Gruppe «KlartexD» macht ihrem Namen alle Ehre, wenn es darum geht, die Probleme unter Jugendlichen deutlich zu benennen. «Häsch du grad, e Beziehigskriise/Sind dini Eltre, sit Johre gschiide/Sit langer Zyt, kay Lehrstell gfunde/All Täg wend, dini Seel verwundä», heisst es bei den Rappern aus Nesslau (SG). Die Toggenburger verfassten ihre «Lyrics» im Rahmen des Projekts «Schweizer Mundart Rap», das vor zwei Jahren von der Stiftung Erziehung zur Toleranz (SET) in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) lanciert wurde.
Ziel des Projekts ist es, Schüler und Schülerinnen für Gewalt und Rassismus zu sensibilisieren, indem sie sich im Hip-Hop-Stil mit diesen Themen sowie mit den dahinter steckenden Unmutsgefühlen auseinandersetzen. Das begleitende Lehrmittel «Respect! Rap für Toleranz in der Schule» bietet den Lehrkräften dazu die Anleitungen. Vom ersten Reimen bis zur Schlussaufführung: Die Aufgaben lassen sich am besten mit einer fachübergreifenden Projektarbeit in Deutsch, Musik sowie Mensch und Umwelt erledigen. Die SET lädt vom 29 bis 31. Oktober 2008 zu Diskussionen mit Rap-Einlagen zum Thema Jugendgewalt an die WORLDDIDAC Basel ein.
Viervierteltakt Das Projekt, unterstützt vom LCH Dachverband Schweizer Lehrer und Lehrerinnen und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), wird sich an der Bildungsmesse WORLDDIDAC Basel 2008, die vom 29. bis 31. Oktober im Messezentrum Basel stattfindet, täglich mit Auftritten von rappenden Schülern und Schülerinnen präsentieren. Gleichzeitig laden Vertreter der SET zur Diskussion über Jugendgewalt ein. Laut Projektleiter Urs Keller, langjähriger Lehrer an einer Sekundarschule in Horgen, findet das Rappen im Klassenzimmer in der Regel guten Zuspruch – auch bei jenen Jugendlichen, die sonst mit der Hip-Hop-Szene wenig am Hut hätten. Nur wenn es am Schluss darauf ankomme, die selbst kreierten Sprachgesänge vor der Parallelklasse oder den Eltern auf einer Bühne zu Gehör zu bringen, fehle hier und da der Mut, räumt Keller ein. Auftreten, das sei nun einmal nicht jedermanns Sache. Gerade deshalb könne aber auch die letzte Phase der Arbeit wertvolle Erfahrungen liefern. Einen weiteren Vorteil sieht der Projektleiter in der Freiheit, welche die Schüler und Schülerinnen beim Herstellen der Texte haben: Wer sich sonst in der Deutschstunde mit Orthographie und Grammatik schwer tut, dürfte übers Dichten in Mundart schneller ein Erfolgserlebnis haben. «Nichts gegen den klassischen Aufsatz, aber hier gibt es mal keine Rotstriche». Das heisse allerdings nicht, dass sich das Rap-Projekt, das in erster Linie für die Sekundarstufe I entwickelt wurde, lediglich an schwache Schüler und Schülerinnen richte, betont Keller. Denn es sei für Schulklassen aller Niveaus eine Herausforderung, die eigene Meinung in Reime zu fassen und im für Rap typischen Viervierteltakt zu präsentieren.
Gangsterrap Lehrpersonen, die sich mit der Hip-Hop-Terminologie noch nicht gut auskennen, finden im begleitenden Lehrmittel, das auch eine CD mit Beats umfasst, eine Liste mit Szenenbegriffen – beispielsweise «Mic» fürs Mikrofon. Darüber hinaus bespricht «Respect! Rap für Toleranz in der Schule» auch die aggressive, frauenfeindliche Seite der Rap-Kultur und rät den Lehrpersonen sogar, gemeinsam mit der Klasse auch mal das Werk eines Gangster-Rappers wie «50 Cent» oder «Snoop Dogg» zu analysieren. Denn hinter den Texten, die man sich bis dahin vielleicht kritiklos angehört hat, verstecken sich problematische Botschaften. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.set-toleranz.ch.
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